Es liegen 616 auwertbare Frageb�gen von Frauen und 452 von M�nnern vor. Nach einem detaillierten Kriterienkatalog wurde sexueller Mi�brauch operationalisiert. Dabei fanden folgende Aspekte Ber�cksichtigung: Es war mindestens eine sexuelle Handlung bzw. Situation angegeben, bei der es zu einer k�rperlichen Ber�hrung entweder mit einem Erwachsenen oder mit einem Kind kam, die unter Anwendung von Druck oder Gewalt gegen den Willen der Befragten durchgef�hrt worden war. Au�erdem mu� von der befragten Frau angegeben worden sein, da� sie sich als sexuell mi�braucht bezeichnen w�rde. []
Auch f�r k�rperliche Mi�handlung wurde ein Kriterienkatalog erstellt. Leichtere Mi�brauchsformen (z.B. Ohrfeigen) mu�ten h�ufig angegeben worden sein; schwere Mi�handlungsformen (z.B. Verbrennungen) wurden ber�cksichtigt, wenn sie mindestens einmal angegeben worden waren. []
Unter den 616 Frauen befanden sich 25%, die entweder durch Rating (11%) oder nur durch Selbsteinsch�tzung (14%) den Gruppen der sexuell mi�brauchten zugeteilt wurden. 26% der Gesamtstichprobe kamen in die Gruppe der k�rperlich mi�handelten. []
Die ersten Ergebnisse in dieser Arbeit beziehen sich somit auf 41 Frauen die sexuell mi�braucht und k�rperlich mi�handelt worden sind (SMKM), 27 nur sexuell mi�brauchte Frauen (SM), 99 nur k�rperlich mi�handelte (KM) und eine Gruppe von 208 unauff�lligen Frauen (UA).
Gruppenunterschiede | |
Vollerwerbst�tigkeit des Vaters | - |
Besch�ftigung der Mutter | - |
Bis 12. Lbj. mit Eltern gelebt | SMKM < SM, KM < UA |
Eltern trennten sich | SMKM > Rest |
Wohnfl�che | KM < Rest |
Finanzielle Situation | KM < Rest |
Atmosph�re zu Hause | KM, SM < UA |
Partnerschaft der Eltern | KM, SM < UA |
H�ufigkeit der Konflikte der Eltern | KM, SM < UA |
Kontakte der Familie | KM < Rest |
Kein Unterschied besteht [] zwischen den Gruppen, was die Vollerwerbst�tigkeit des Vaters und die Besch�ftigung der Mutter angeht, obwohl dies in der wissenschaftlichen Literatur immer wieder vermutet wird. Dies k�nnte allerdings daran liegen, da� hier der sexuelle Mi�brauch nicht auf den innerfamili�ren Mi�brauch beschr�nkt wurde.
Vernachl�ssigung | SMKM | SM | KM | UA |
K�rperlich vernachl�ssigt | 20 | 4 | 8 | 4 |
Seelisch vernachl�ssigt | 71 | 26 | 34 | 12 |
Seelisch mi�handelt | 44 | 15 | 5 | 0 |
Die Diagramme machen deutlich, da� sexueller Mi�brauch und k�rperliche Mi�handlung, vor allem wenn sie zusammen auftreten, h�ufig bei gleichzeitiger k�rperlicher und seelischer Vernachl�ssigung stattfinden. [] Noch deutlicher sind die Unterschiede zwischen den Gruppen in der Frage nach der seelischen Mi�handlung.
Probleme vor 12. Geburtstag | SMKM | SM | KM | UA |
Schlafst�rungen | 15 | 4 | 11 | 9 |
Angsttr�ume | 34 | 23 | 28 | 11 |
Einn�ssen | 5 | 19 | 7 | 5 |
Stottern | 5 | 4 | ||
Daumenlutschen | 24 | 11 | 16 | 21 |
N�gelkauen | 29 | 19 | 18 | 27 |
E�probleme | 19 | 11 | 9 | 5 |
Rauchen | 15 | 4 | 0 | 0 |
aggr. Verhalten geg. anderen | 24 | 8 | 9 | 4 |
aggr. Verhalten geg. Gegenst. | 7 | 0 | 6 | 0 |
Diebstahl | 22 | 8 | 8 | 6 |
Fa�t man die genannten Probleme zusammen, die Frauen in der Kindheit gehabt haben, so f�llt auf, da� die k�rperlich mi�handelten und sexuell mi�brauchten Frauen signifikant h�ufiger folgende Probleme nennen: Schlafst�rungen und Angsttr�ume (je p<.05), besonders h�ufig aggressives Verhalten gegen�ber anderen (p<0.001) und Diebstahl (p<.005). Das einzige Problem, das in der Gruppe der nur sexuell mi�brauchten Frauen signifikant h�ufiger als in den anderen Gruppen angegeben wurde, war Eunuritis (Einn�ssen).
Probleme nach 12. Geburtstag | SMKM | SM | KM | UA |
Rauchen | 24 | 15 | 27 | 18 |
Alkohol | 24 | 11 | 14 | 8 |
Medikamente | 13 | 0 | 2 | 3 |
Drogen | 22 | 4 | 7 | 5 |
Bulimie | 23 | 4 | 10 | 3 |
Adipositas | 25 | 9 | 8 | 6 |
Anorexia nervosa | 17 | 4 | 14 | 8 |
Schlafst�rungen | 38 | 16 | 19 | 19 |
K�rperliche Beschwerden | 49 | 40 | 52 | 35 |
Sexuelle Probleme | 63 | 50 | 39 | 17 |
Selbstverletzungen | 33 | 8 | 9 | 4 |
Selbstmordgedanken | 73 | 30 | 45 | 25 |
Selbstmordversuche | 22 | 12 | 6 | 2 |
Auch f�r diesen Zeitraum geben k�rperlich mi�handelte und sexuell mi�brauchte Frauen die meisten Probleme an. [] Besondere Beachtung mu� den Fragen nach Selbstverletzung, Selbstmordgedanken und Selbstmordversuchen geschenkt werden. In all diesen Variablen besteht ein hochsignifikanter Unterschied auf dem 1%-Niveau zwischen den k�rperlich mi�handelten und sexuell mi�brauchten Frauen und den anderen Gruppen.
[] Die Zahlen deuten darauf hin, da� sexueller Mi�brauch und k�rperliche Mi�handlung h�ufig vor dem Hintergrund von k�rperlicher und seelischer Vernachl�ssigung stattfinden. Eine weitere Analyse der vorliegenden Daten wird zeigen, welche Rolle dieses f�r die Ausbildung der dargestellten Probleme im Kindes- und Jugendalter spielen.
Der immer wieder aufgestellten Behauptung, sexueller Mi�brauch komme in jeder sozialen Schicht vor, mu� weiter nachgegangen werden. Die vorl�ufigen Auswertungen weisen darauf hin, da� die Kombination von sexuellem Mi�brauch und k�rperlicher Mi�handlung, die besonders schwerwiegende Folgen aufweist, keineswegs unabh�ngig von der sozialen Schicht zu sein scheint.
Die Diskussion der Daten muss zum gegenw�rtigen Zeitpunkt kurz ausfallen. Es liegen zwar H�ufigkeitsangaben zu den einzelnen Fragen vor, aber erst die Analyse der komplexen Zusammenh�nge wird die Relevanz bestimmter Variablen f�r das Verst�ndnis von Missbrauch und Misshandlung deutlicher machen. Dennoch haben bereits diese ersten Auswertungen die Wichtigkeit der Ber�cksichtigung k�rperlicher Misshandlung, wie auch anderer Faktoren, f�r ein differenziertes Verst�ndnis von sexuellen Traumatisierungen deutlich gemacht.
In einem Gro�teil der Studien, die in den letzten Jahren zum sexuellen Mi�brauch erschienen sind, findet man folgende Betrachtungsweisen:
Es scheint v�llig absurd, Folgen von sexuellem Mi�brauch untersuchen zu wollen, ohne diese Faktoren zu ber�cksichtigen. Wie will man denn wissen, da� nicht k�rperliche Strafen, seelische und k�rperliche Vernachl�ssigung, Spannungen zwischen den Eltern, die dem sexuellen Mi�brauch meist vorausgegangen sind, die schwerwiegenderen Traumatisierungen darstellen, so da� der sexuelle Mi�brauch vielleicht nur noch harmlos in dieser Kette von Traumatisierungen erscheint, ja unter Umst�nden die einzige "liebevolle", wenn auch sicherlich falsche Zuwendung darstellt?
Nicht zuletzt mu� noch betont werden, da� der Begriff des sexuellen Mi�brauchs extrem irref�hrend ist, da nur ein Teil der sexuellen Traumatisierungen damit erfa�t wird. Wegen des weit verbreiteten Sprachgebrauchs wird er jedoch auch im folgenden beibehalten.