Entscheidend f�r die Inakzeptanz der angebotenen L�sungen erscheint mir letztlich der Verzicht auf die Beantwortung der Frage nach der 'sozialen Konstituierung' des erwachsenen Individuums. Tats�chlich vermeiden alle drei Ans�tze Ausf�hrungen zu dem Problem, wie (und wann) aus dem Kind der zur selbstbestimmten Sexualit�t f�hige Erwachsene wird. Bei der klassischen strafrechtlichen L�sung verwandelt sich das Kind mit der Vollendung des 14. Lebensjahres pl�tzlich vom asexuellen zum sexuellen, vom unreifen zum reifen Wesen. Bei Finkelhor und seinen NachfolgerInnen erscheinen in einem bestimmten (nicht begr�ndbaren) Alter schlagartig das Wissen um die Konsequenzen sexueller Interaktionen und die Freiheit JA oder NEIN zu sagen. Nach dem psychoanalytischen Modell erlernt das Individuum die "Sprache der Leidenschaft" anscheinend aufgrund endogener Entwicklung der Libido in der Pubert�t, also aufgrund interaktionsloser Triebdynamik.
Demgegen�ber weist - als einer der wenigen in der aktuellen Debatte - Honig (1992a, S.30) darauf hin, da� Kinder lernen m�ssen, "sexuell zu sein und ihre L�ste in einer Geschlechtsidentit�t zu organisieren." Das Kind wird damit als Individuum charakterisiert, das nicht nur sein Begehren kennen lernen mu�, sondern auch dessen Realisierung in die herrschenden sozialen Zuschreibungen und Regeln einzupassen.
"Das hei�t: die anfangs diffuse Grenze zwischen Sinnlichkeit und Sexualit�t, zwischen Erotik, Z�rtlichkeit und Spiel - ... - wird im Proze� des Heranwachsens nach Ma�gabe des �bergreifenden kulturellen Systems symbolisch-situativ definiert und biographisch gelernt (Honig, 1993, S. 185)
Wenn die angestrebte selbsbestimmte Sexualit�t des Erwachsenen aber das Ergebnis eines Lernprozesses ist, stellt sich die Frage, von wem Kinder und Jugendliche sexuelles Handeln und seine sozialen Regeln lernen und mit wem sie sexuelle Erfahrungen machen sollen. Anders formuliert: Wie k�nnen Kindern sexualbezogene Lernprozesse erm�glicht werden, ohne da� sie dabei von �lteren sexuell ausgebeutet werden?
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