[...]
[S. 89-90] Die brauchbarste ist diejenige Definition, die von der multidisziplin�ren "Arbeitsgruppe P�dophiie" des "Nationalen Zentrums f�r geistige Volksgesundheit" (Utrecht 1976) aufgestellt wurde, an der ich beteiligt war:
"P�dophilie ist diejenige menschliche Gegebenheit, die dadurch gekenzeichnet ist, da� die Tatsache, sich zu Kindern hingezogen zu f�hlen, und zwar auch im sexuellen Sinne, als besonders bedeutsam erlebt wird.
Jeden, f�r den die Anziehungskraft eine derartig fundamentale Bedeutung besitzt, nennen wir p�dophil, solange diese Anziehungskraft offenbar jenen Wert f�r ihn oder sie hat.
Eine p�dophile Beziehung ist durch wechselseitige Gef�hle der Anziehung zwischen einem j�ngeren und einem �lteren Individuum gekennzeichnet."
[...]
[S.91:] Das Thema "Kindersexualit�t und P�dophilie" hat mit lebendiger Wirklichkeit zu tun. Die Tatsache, da� es lange gedauert hat, ehe man zu empirischer Forschung auf diesem Gebiet �berging, lag haupts�chlich an dem Umstand, da� man das Kind nicht als sexuelles Wesen sehen wollte, und sicher auch daran, da� wissenschafliche Ergebnisse nur dann willkommen sind, wenn sie zu Schlu�folgerungen f�hren, die mit der Ideologie derjenigen Gesellschaft identisch sind, in der sie erbracht werden. Der wissenschaftliche Forscher bringt sich selbst schon bald in eine schwierige Lage, wenn er eine Untersuchung in Sachen Kindersexualit�t und P�dophilie in Angriff nimmt, weil man f�rchtet, da� er die g�ngigen vorstellungen unterminieren k�nnte. Man arbeitet dann lieber nicht mit objektiven Kriterien, sondern schlu�folgert auf emotionlaer Basis.
[...]
Meine Suche nach m�glichen Sch�den f�r den j�ngeren Partner wurde zu Beginn der siebziger Jahre begonnen. Ich fasse mein Konzept und die Ergebnisse dieser Untersuchung hier kurz zusammen.
Um die Wirkung p�dophiler Kontakte auf lange Sicht einsch�tzen zu k�nnen, habe ich eine Anzahl Erwachsener untersucht, die in ihrer Kindheit einen oder mehrere sexuelle Kontakte mit Erwachsenen gehabt hatten. Der Frageansatz lautete: Besitzen sexuelle Kontakte oder Beziehungen zwischen einem erwachsenen Mann bzw. einer Frau mit einem Jungen oder M�dchen nachteilige Folgen f�r da� Kind, und wenn ja: welcher Art sind diese? Die Untersuchung bestand aus einem "biographischen" und einem psychologischen Teil. Ich habe die damaligen Kinder, heute im Erwachsenenalter, beschreiben lassen, wie sie seinerzeit diese Kontakte erlebt hatten und wie sie heute, viele Jahre sp�ter, dazu stehen.
[S.92] Mittels der psychologischen Untersuchungsmethode wurde die psychologisch-emotionale Stabilit�t (neurotische und psycho-somatische Beschwerden), der Grad von Intro- und Extrovertiertheit und die Selbsterkenntnis bestimmt, und zwar mit Hilfe von objektiven Testma�sta�ben, wodurch es m�glich wurde, die Ergebnisse mit dem niederl�ndischen Durchschnitt zu vergleichen (Kontrollgruppe). Die konkrete Frage lautete hier: Haben Individuen, die als Kind sexuelle Erlebnisse mit Erwachsenen gehabt haben, durchschnittlich mehr psycho-neurotische und/oder funktionelle Beschwerden als der Durchschnitts-Niederl�nder? Wurden sie durch diese Handlungen etwa traumatisiert?
Die Schlu�folgerungen, die sich aus dieser Untersuchung aufdr�ngten, waren folgende:
Da� die Sch�dlichkeit der p�dosexuellen Kontakte nicht erwiesen ist, geht auch aus anderen Untersuchungen hervor, wie z.B. aus denen von Bender und Blau, Augusta Rasmussen, David Finkelhor und Michael C. Baurmann.
Noch ein letztes Wort zur "Verf�hrung": Der Psychiater Tolsma fand bei einer statistischen Untersuchung von 133 "Opfern", die von Homosexuellen kontaktiert worden waren, heraus, da� nur ein geringer Prozentsatz sp�ter homosexuell wurde. Dieser Prozentsatz deckte sich ungef�hr mit dem Prozentsatz Homosexueller in unserer Gesellschaft.
Eine von mir durchgef�hrte Untersuchung, welche Kinder Interesse an sexuell gef�rbten Kontakten mit Erwachsenen haben, lie� erkennen, da� dies meistens vollkommen "normale" Kinder sind, die �berwiegend aus "normal" funktionierenden Familien stamme. Nur eine geringe Anzahl kam aus sogenanten "broken homes" (gest�rten Familienverh�ltnissen). Die testpsychologische �berpr�fung ergab keinen h�heren Grad von psychischer Labilit�t. Auch die Verteilung der Intelligenzniveaus stimmte ungef�hr mit der anderer Kinder �berein.
[S. 97:] Da� im Zusammenhang mit den Beziehungen und Kontakten �u�erst nachteilige Folgen auftreten k�nnen, geht aus der Praxis hervor. Die Reaktion der Eltern und der Umgebung kann sich sehr negativ auf das Kind auswirken. Es sind diese sekund�ren Folgen, mit denen ich mich nun befassen m�chte. Einige Praxisf�lle m�gen den Themenkomplex verdeutlichen.
Ein Mann mittleren Alters kommt zu mir mit diffusen Beschwerden im die Sprechstunde. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und arbeitet in einem B�ro. Die Beziehung zu seiner Frau ist gut. Aus der Anamnese sind keine Besonderheiten erkennbar, jedenfalls nicht beim ersten Mal. Er ist in letzter Zeit angespannt und schnell m�de. Beim Neurotizismus-Test erh�lt er einen hohen Ausschlag. Psychisch ist er also labil.
Die Ursache seines Zustandes ist rasch herausgefunden. Durch einen Pressebericht �ber eine Festnahme in einer "Sittlichkeitssache" geriet er au�er Fassung. Er hat als kleiner Junge eine langdauernde und sehr gl�ckliche, intime Beziehung mit einem �lteren Mann unterhalten. Das war f�r ihn eine unvergleichbar sch�ne Zeit, bis eines Tages dieser Mann festgenommen wurde. Er selbst wurde als Zehnj�hriger von der Polizei verh�rt. Dem langen Verh�r war er nicht gewachsen. Der �ltere erhielt einige Jahre Gef�ngnis, und der Junge mu�te nun st�ndig mit dem Gedanken leben: Ich habe ihn verraten!" Dieses Schuldgef�hl ist mehr oder weniger immer noch wirksam. Es wurde noch verst�rkt durch den Umstand, da� sein �lterer Freund sp�ter im Gef�ngnis starb.
Das ist ein deutliches Beispiel von sekund�rem Schaden. Nicht die sexuelle Beziehung selbst wirkte traumatisierend - im Gegenteil - sondern die sie begleitenden Umst�nde. Die prim�ren Folgen des Kontaktes waren positiv.
Eine Frau erz�hlt folgendes: "Sie k�nnen es sich vielleicht nicht vorstellen, aber als ich 12 Jahre alt war, war ich schrecklich verliebt in einen f�nfzigj�hrigen Mann, und er auch in mich. Eines Tages kamen meine Eltern dahinter, und die Polizei wurde eingeschaltet. Die Verh�re waren entsetzlich. Ich leugnete und leugnete immer wieder. Dann gab ich auf. Mein �lterer Freund wurde festgenommen Ich habe das niemals vergessen k�nnen. Es war nicht gerecht, es h�tte so eine sch�ne Erinnerung sein k�nnen. Ich bin verheiratet und habe vier Kinder. Ich h�tte nichts dagegen, wenn auch sie Kontakte zu �lteren haben w�rden. Dieser Sache stehe ich positiv gegen�ber."
Auch hier Schaden durch Gewalt, psychische Gewalt. Vieles von der Kontroverse, die zwischen den Autoren der beiden Lager "sch�dlich" versus "unsch�dlich" schwelt, wird hinf�llig, wenn man die prim�ren von den sekund�ren Folgen unterscheidet. Da� Mi�verst�ndnis geh�rt dann der Vergangenheit an.
Auff�llig ist eigentlich, da� sich niemand wirklich Gedanken macht �ber das Schicksal der Kinder in den "Sittlichkeitsvergehen". Sie m�ssen entsprechend aussagen, damit der Fall abgeschlossen werden kann. Ihre Meinung ist nicht erw�nscht; ihren Bed�rfnissen wird in keiner Weise entsprochen. Die Haltung der Umgebung, der Gesellschaft, kann hier eine wirkliche Bedrohung f�r das Kind darstellen.
Zum Schlu� darf ich hier vielleicht noch bemerken, da� ein polizeiliches Verh�r, wie fachkundig und freundlich es auch durchgef�hrt werden mag, trotzdem traumatisierend wirken kann. Es werden intime Dinge besprochen, was f�r das betreffende Kind au�erordentlich unangenehm sein kann. Der "Verrat", durch den der �ltere festgenommen werden kann, hat bei manchem Kind psychischen Schaden verursacht, der ein ganzes Leben nachwirkt. In meiner drei�igj�hrigen klinisch-psychologischen Praxis habe ich manchen Fall behandeln m�ssen, bei dem sekund�re Folgeerscheinungen festgestellt wurden. Immer wieder stellte sich heraus, da� in keinem Fall von prim�ren Sch�den die Rede sein konnte. Freiwillig eingegangene Kontakte, ohne Gewalt, sind im Wesen unsch�dlich. Kindesmi�handlung ist nicht die Dom�ne des P�dophilen. Das ist eine wichtige Feststellung, deren Verbreitung der Emanziation der P�dophilen ebenso wie der der Kinder dienlich ist.